Design for Recycling (DfR)

DfR ist ein spezieller Aspekt des Design for Environment, bei dem es vor allem darum geht, das Produkt so zu gestalten, dass es während und nach der Gebrauchsphase einfach demontierbar und reparierbar ist, Teile wieder verwendet und Abfälle einfach recycliert werden können.

In der Regel sind recyclingfreundliche Geräte modular aufgebaut, was sowohl die Fertigung (Montage) als auch die Demontage vereinfacht. Zum DfR gehört auch die reparaturfreundliche Gestaltung des Produkts.

Wichtige Hinweise für die recyclinggerechte Gestaltung von Produkten sind in der VDI-Richtlinie 2243 "Konstruieren recyclinggerechter technischer Produkte" niedergelegt. Hier werden Gestaltungsempfehlungen für die Entwicklung und Konstruktion technischer Produkte aus den Anforderungen von Recyclingprozessen abgeleitet und vermittelt.

Langlebigkeit

DfR zielt generell darauf ab, die Lebensdauer des Produktes durch Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit zu verlängern, sowie die Wieder- und Weiterverwertung nach dem Lebensende zu verbessern. Zur Verlängerung der Lebensdauer sind die folgenden Aspekte für das Produktdesign zu beachten:

  • integrierte Fehlererkennungssysteme,
  • reinigungsgerechte Gestaltung,
  • Verschleißlenkung auf niederwertige Bauteile,
  • Demontage- und montagegerechte Gestaltung von Verschleißteilen,
  • Wiederaufbereitungsmöglichkeit von hochwertigen Bauteilen gewährleisten,
  • Korrosionsschutz, Schutzschichten

Wiederverwendbarkeit

Nach der Nutzungsphase von ausgemusterten oder unbrauchbar gewordenen Produkten gilt es, hochwertige Bauteile wieder- oder weiter zu verwenden sowie die enthaltenen Materialien in möglichst gleicher Qualität zu verwerten. Dazu werden die Bauteile und Materialien nach der Demontage wiederaufbereitet oder verschiedenen Trenn-, Zerkleinerungs- und Aufbereitungsverfahren unterzogen.

Um den Recyclingvorgang am Ende des Produktlebenszyklus zu erleichtern, gilt es schon beim Produktdesign folgende Richtlinien zu beachten:

  • Modularer Aufbau der Geräte
  • Demontagerechte Baustruktur
  • Demontagerechte Verbindungstechnik
  • Reduktion der Materialvielfalt
  • Auswahl einfach verwertbarer Werkstoffe
  • Kennzeichnung von Teilen und Werkstoffen
  • Kennzeichnung wertvoller bzw. schädlicher Werkstoffe
  • Auswahl verwertbarer Werkstoffpaarungen, z.B. Vermeidung von Verbunden

Information des Recyclers

Das beste recyclinggerechte Design nutzt nichts, wenn dem Recylingbetrieb keine Informationen über die richtige Demontage und die verwendeten Materialien vorliegen. Die folgenden Informationen sollten daher vom Hersteller bereitgestellt und für Recyclingbetriebe zugänglich gemacht werden:

Material- und Bauteilkennzeichnung: Auf allen Bauteilen, Baugruppen und Produkten ist eine gut sichtbare und vor Verschmutzung geschützte Kennzeichnung anzubringen, welches den Werkstoff bzw. die Produktzusammensetzung sowie die Recyclingmöglichkeiten angibt. Die Zeichen können z.B. durch Eingießen, Einschlagen oder Einprägen, bei Folien auch durch Drucken in das Bauteil eingegliedert werden.

Kennzeichnung der Baugruppen bezüglich ihrer Funktion: Eine leichte Zuordnung der jeweiligen Funktion von Bauteilen und Baugruppen ermöglicht neben einer einfachen Lagerhaltung eine schnelle und sichere Zuführung zu den entsprechenden Aufarbeitungsprozessen. Die Kennzeichnung von Baugruppen wird dabei gewöhnlich durch die Vergabe von Typenschildern realisiert, woraus eventuell ein erhöhter Materialeinsatz resultiert.

Werkstoffkennzeichnung nach bestehenden Normen: Um eine eindeutige Identifizierung der einzelnen Werkstoffe zu gewährleisten, sind für die Werkstoffkennzeichnung die Normen zu beachten. Eine durch das produzierende Unternehmen in Eigenarbeit erarbeitete Kennzeichnung von Werkstoffen sollte unterlassen werden, da in den meisten Fällen nicht gewährleistet ist, dass das Altprodukt dem Materialrecycling direkt beim Hersteller zugeführt wird. Oftmals wird das Recycling von externen, fremden Verwerterbetrieben geregelt.

Erstellen von Recyclings- und Entsorgungsvorschriften: Aufbauend auf den ersten drei Gestaltungsregeln bietet sich eine vollständige Dokumentation an, welche in jeder Lebensphase mit dem Produkt zusammen aufbewahrt wird. Diese Dokumentation sollte sowohl notwendige Demontagevorgänge als auch Recyclings- und Entsorgungsvorschriften für alle Bauteile und Werkstoffe des Produkts enthalten.

Ein Beispiel für eine umfassende Dokumentation ist der so genannte "Recyclingpass" der Firma Agfa-Gevaert. Er enthält unter anderem Hinweise zur Entnahme von Stoffen und Komponenten mit Gefährdungspotenzial sowie zur Demontage des Gerätes. Ferner werden sämtliche Recyclingdaten des jeweiligen Gerätes dokumentiert. Vorteile eines solchen Dokuments sind die schnelle Zugänglichkeit zu relevanten Informationen, Reduzierung von Demontagezeiten sowie ein verringerter Aufwand zur Aufarbeitung bzw. Aufbereitung.

Grafik: Der "Recyclingpass" für ein fototechnisches Gerät von Agfa-Gevaert.
Recyclingpass für einen Entwicklungsautomaten

Quelle: Agfa, 2002. Rot: Schadstoffe, blau: Störstoffe, grün: Erlösstoffe

Grafik: Recyclingmaterial Kennzeichnung
Demontageanleitung für Recyclingautomat
Quelle: www.recyclingpass.net, 2004

Der Recyclingpass ist ein eigenständiges Dokument, das dauerhaft am Produkt befestigt wird. Damit ist gesichert, dass alle notwendigen Recyclinginformationen zusammen mit den Altprodukten zum Entsorgungsfachbetrieb gelangen. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.recyclingpass.net.

Einen guten Überblick zum Vorgehen bei der umweltgerechten Produktgestaltung, ergänzt mit zahlreichen konkreten Hinweisen und Checklisten, erhalten Sie unter recyclingleitfaden.c-willmann.de.

Glossar

Design for Environment
Design for Environment (DfE) bezeichnet das Vorgehen zum umweltfreundlichen Konstruieren

Entsorgungsfachbetrieb
Ein Entsorgungsfachbetrieb ist nach den §§ 56 und 57 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ein Betrieb, der bestimmten Anforderungen genügt und durch eine technische Überwachungsorganisation oder eine Entsorgergemeinschaft als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert ist. Entsorgungsfachbetriebe werden mindestens jährlich von einer Zertifizierungsstelle überprüft. Näheres regelt die Verordnung über Entsorgungsfachbetriebe.

Gefährdungspotential
Das Gefährdungspotential ist das Maß für den möglichen Eintritt einer Gefahr. Das Gefährdungspotential von Anlagen wird abgeleitet aus einer Betrachtung von Schadstoffarten und -mengen (Emissionspotential), der Ausbreitungsmöglichkeiten (Transmissionspotential) und der Einschätzung der Auswirkungen auf Mensch und Umwelt (Immissionspotential). Dabei wird die Möglichkeit der technikbezogenen Störung mit einbezogen. Das Gefährdungspotential von Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen wird beispielweise vom Volumen und der Wassergefährdungsklasse der in der Anlage vorhandenen wassergefährdenden Stoffe sowie der hydrogeologischen Beschaffenheit und Schutzbedürftigkeit des Aufstellungsortes bestimmt.